Bernhard Vogel: CDU braucht ein schärferes Profil

Bernhard Vogel 2015 auf dem CDU-Parteitag in Karlsruhe. Foto: Olaf Kosinsky/Skillshare.eu

„Es ist Zeit, das Eigenprofil der CDU neu zu schärfen. Die lange Dauer der Großen Koalition hat uns, SPD wie CDU, dazu gezwungen uns auf Gemeinsamkeiten zu verständigen; das ging auf Kosten des Profils.“ Diese Ansicht vertritt der CDU-Politiker und Ehrenvorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung Prof. Dr. Bernhard Vogel im Gespräch mit Zwei Köpfe.

Bernhard Vogel betont die drei Wurzeln seiner Partei: die freiheitlich-liberale, die wertkonservative und die christlich-soziale. Besonders verbunden weiß sich der gläubige Katholik der christlich-sozialen Wurzel, die für „die Zukunft der Union lebensentscheidend“ sei und deshalb immer wieder herausgestellt werden müsse. Die Inhalte der katholischen Soziallehre und der protestantischen Sozialethik seien zeitlos gültig.

Vogel: Merkels Flüchtlingspolitik war christlich

Christen, die die Politik der Kanzlerin als zu wenig christlich einstufen, widerspricht Bernhard Vogel nachdrücklich. „Frau Merkel hat zum Beispiel mit ihrer Flüchtlingspolitik gerade für diese christliche Wurzel einen wichtigen Akzent gesetzt, der manche verstört, aber andere auch für diese Idee neu begeistert hat“, hebt Vogel hervor.

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USA: Evangelikales Magazin wendet sich gegen Trump

Das Gesicht des US-Präsidenten Donald Trump in Form des Twitter-Logos.
Falschdarstellung, Lüge, Verleumdung per Twitter: Das (und noch mehr) wirft der evangelikale Journalist Mark Galli US-Präsident Trump vor.

In den USA tobt ein Meinungskampf unter den evangelikalen Christen. Auslöser war ein Artikel in dem Magazin „Christianity Today“. Darin äußert sich Chefredakteur Mark Galli kritisch über US-Präsident Donald Trump und spricht sich dafür aus, ihn des Amtes zu entheben.

Bisher standen die weißen, evangelikalen Christen in den USA treu und geschlossen zu Trump. In den USA hatte der Beitrag in dem evangelikalen Magazin “Christianity Today” (CT) die Wirkung eines Paukenschlages: Zeitungen und TV-Sender berichteten über die erste derart deutliche Kritik aus dem evangelikalen Lager am amerikanischen Präsidenten. Der bisherige Chefredakteur Mark Galli macht deutlich, es sei an der Zeit dies auszusprechen, weil der Charakter des Präsidenten offenbar geworden sei. Das Magazin gehört zu den einflussreichen Medien der evangelikalen Christen in den USA.

200 Leiterinnen und Leiter widersprechen
In einem öffentlichen Brief gingen kurz daraufhin 200 evangelikale Leiterinnen und Leiter auf Distanz zu Mark Galli. Sie verwahrten sich gegen Gallis Einschätzung, dass sie mit ihrer Unterstützung von Trump politisch „weit rechts“ stehen würden, wie Galli in einem Interview mit dem Fernsehsender CNN erklärte. Mit seinen Äußerungen stelle Galli die Integrität vieler Millionen Gläubiger in Frage.

“Wir sind vielmehr bibelgläubige Christen und patriotische Amerikaner”, so die Erklärung der Leiterinnen und Leiter, “die schlichtweg dankbar sind, dass unser Präsident unseren Rat erbeten hat, als seine Administration politische Schritte unternommen hat, um die Ungeborenen zu schützen, die Religionsfreiheit zu sichern, das System unserer Strafjustiz zu reformieren, arbeitende Familien durch bezahlte Familienzeit zu stärken, die Freiheit des Gewissens zu bewahren, Eltern-Rechten Priorität einzuräumen und dafür zu sorgen, dass unsere Außenpolitik unseren Werten entspricht und unterdessen unsere Welt sicherer macht, einschließlich durch unsere Unterstützung des Staates Israel.”

Christen müssen wieder lernen zuzuhören und zu diskutieren
Der Präsident von CT, Dr. Timothy Dalrymple, äußerte sich ebenfalls nach Gallis Veröffentlichung, auf die das Magazin viele zustimmende und kritische Reaktionen erhielt. Er brachte seine Wertschätzung für Galli zum Ausdruck und machte deutlich, dass es im Redaktionskreis verschiedene Meinungen gebe und jeder seine Meinung unter seinem Namen veröffentliche. Es sei allerdings ein Zeitpunkt erreicht, an dem man über die Situation im Land nicht mehr schweigen könne. Wichtig sei, dass Christen wieder lernten, zuzuhören und zu diskutieren.

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Transparenz in der katholischen Kirche: Bitte jetzt keinen Applaus!

Die Meldung hat hohe Wellen geschlagen: Vor wenigen Tagen hat Papst Franziskus verfügt, dass kirchliche Strafverfahren bei Missbrauchsfällen nicht mehr der Geheimhaltung unterliegen. Das sogenannte „päpstliche Geheimnis“ ist damit für diese Fälle abgeschafft: Für Polizei und Staatsanwaltschaft wird es deutlich einfacher, auf Kirchenakten zuzugreifen. Ein Kommentar von Eva Heuser.

Papst Franziskus hat wichtige Schlupflöcher für Sexualstraftäter wie Vertuscher im kirchlichen Getriebe geschlossen. Doch wirft die jüngste Entscheidung des Papstes, das „päpstliche Geheimnis“ für Fälle sexuellen Missbrauchs abzuschaffen, auch wieder einmal ein Schlaglicht auf die dunklen Seiten der Kirche: auf das, was bisher möglich war. Auf die Selbstherrlichkeit, den Narzissmus, die Feigheit und menschliche Schwäche im Klerus, die ein System ermöglicht hat, dessen Erhalt für einige seiner Mitglieder höchste Priorität hatte und die dafür in Kauf genommen haben, die schwächsten Glieder der Kirche im Stich zu lassen.

Verschärft wird das kirchliche Strafrecht jetzt dort, wo es um kinderpornografische Darstellungen geht, um deren Besitz und Verbreitung. Die Altersgrenze für Opfer wird bis zur Volljährigkeit erhöht, zuvor lag sie bei 14 Jahren. Deutlich verschärft hat Papst Franziskus das Kirchenrecht auch schon in seinem Juni-Dekret „Ihr seid das Licht der Welt“, weil zum ersten Mal neben sexuellem Missbrauch auch das Vertuschen dieser Taten strafbar wurde. Verschärft wurde das Kirchenrecht gleichzeitig durch die Meldepflicht an kirchliche Vorgesetzte. All das ist gut, wichtig und richtig.

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