Und was ist mit der Schöpfung?

Klimawandel und Artensterben zählen heute zu den drängendsten Problemen unserer Welt. Christen begreifen die Erde als Gottes Schöpfung. In der katholischen und der evangelischen Kirche hat der Schutz dieser Schöpfung eine Tradition, die bis in die 70er- und 80er-Jahre zurückreicht. Schwerer tun sich mit dem Umweltschutz allerdings Christen evangelikaler Prägung. Warum ist das so – und was bewegt sich? 

Was ist eigentlich unter „evangelikal“ zu verstehen – einer Gruppe, der sich ein großer und wachsender Teil der weltweiten Christenheit zurechnet? Grob gesagt sind es Christen, die eine persönliche Umkehr zu Gott erlebt haben und die Beziehung zu Jesus Christus betonen. Die Bibel ist für sie das Wort Gottes und Maßstab für ihr Leben: „Evangelikal“ kommt von „Evangelium“. Vor diesem Denkhintergrund mag es zunächst rätselhaft erscheinen, dass gerade sie mit dem Schutz der Schöpfung bis in die jüngere Zeit gefremdelt haben – und es auch noch tun. Das hat theologische, historische und soziologische Gründe.

Und gleichzeitig ist ganz viel Bewegung in dieser Gruppe Gläubiger, die in vielen Denominationen, Kirchen und Kulturen zu finden und doch so verschieden ist, dass sie kaum unter einen Begriff gebracht werden kann. Ein Teil rechnet sich auch zur evangelischen sowie zur katholischen Kirche.

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Tony Rinaudo macht die Wüsten wieder grün

Tony Rinaudo macht die Wüsten wieder grün
Tony Rinaudo erklärt Kleinbauern im Sahel, wie Bäume den Ertrag ihrer Felder vermehren. Foto: World Vision

Wieder einmal wartet die Welt auf Weichen, die eine Weltklimakonferenz stellen soll. Bis Mitte Dezember verhandeln die Länder in Madrid über ihren Beitrag zum Klimaschutz. Wieder einmal haben Dürre, Borkenkäfer, Brände und Rodungen in diesem Jahr gezeigt, wie sehr der Baum als Klima-Regler in Gefahr ist. Dabei ist er die womöglich letzte Bastion gegen den massiven Energiehunger einer Welt, die sich nicht beschränken will. Für die Rückkehr des Waldes in Trockengebieten hat der australische Agraringenieur Tony Rinaudo ein unglaublich einfaches Mittel gefunden und dafür vor einem Jahr den Alternativen Nobelpreis erhalten. Filmemacher Volker Schlöndorff plant eine Doku über ihn. Als „Held“ jedoch sieht sich Rinaudo ganz sicher nicht. Und das, obwohl die Idee Hunger und Armut im Sahel bereits jetzt wirkungsvoll bekämpft. Ein Porträt eines Mannes und seiner Mission.

Ein altes Klappmesser hat der schmale, grauhaarige Australier immer dabei, wenn er im Niger unterwegs ist, dem ärmsten Land im ohnehin bitterarmen Sahel. Auf den trockenen, verödeten, sandigen Böden der nigrischen Savanne kniet Tony Rinaudo und beschneidet sorgfältig das überall verbreitete wilde Gestrüpp. Ziemlich nutzloses Zeug war es für die Bauern, das im Ackerland störte, aber als Brennholz taugte – zumindest dachte das früher jeder. Doch für Rinaudo, den „verrückten weißen Bauern“, wie ihn Einheimische nennen, liegt in den struppigen Büschen ein Schlüssel für die ganz großen Probleme Afrikas – wenn nicht gar der globalisierten Welt.

Als man in Deutschland Anfang der 80er-Jahre den sauren Regen für den Totengräber des deutschen Waldes hielt, war Tony Rinaudo bereits im Sahel unterwegs. Dürren und Hungersnöte hatten die Region hart getroffen. 1980 kam er als Entwicklungshelfer mit einer evangelischen Missionsorganisation in den Niger, 23 Jahre alt, frisch gebackener Agraringenieur, jung verheiratet. Zweieinhalb Jahre lang pflanzte er dort Baumsetzlinge gegen die Versteppung des Landes an. Doch ohne großen Erfolg: Von rund 60 Millionen Bäumen, die innerhalb von 12 Jahren im Niger gepflanzt wurden, überlebten weniger als 20 Prozent, schätzt Rinaudo.

Trockenheit, Schädlinge, Sandstürme und von intensiver Nutzung ausgelaugte Böden waren ein Problem. Hungrige Ziegen und ignorante oder schlicht fehlende Menschen für die Baumpflege das andere. Millionen von US-Dollar wurden so allein im Niger buchstäblich in den Sand gesetzt, berichtet der Agronom in einem Buch des Journalisten Johannes Dieterich, in dem er seine Geschichte erzählt.

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