Der „Gesalbte Gottes“ steht zur Wahl

Offizielles Porträt Donald Trump, Präsident USA, whitehouse.gov
Donald Trump, offizielles Foto des Weißen Hauses. Foto: whitehouse.gov

Weiße evangelikale Christen sind die treueste Wählergruppe des US-Präsidenten Donald Trump. 2016 gaben 81 Prozent von ihnen dem Republikaner ihre Stimme. Ihr Wahlverhalten wird entscheidend dafür sein, ob Trump vier weitere Jahre regieren wird. Bis zum 29. Oktober haben bereits 80 Millionen Amerikaner ihre Stimme abgegeben – ein Rekord! Es zeigt, wie stark die Wähler im Land mobilisiert sind.

In den USA gibt es etwa 62 Millionen Evangelikale, darunter auch nicht-weiße. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 25 Prozent. Es ist die größte Glaubensgruppe des Landes (in verschiedenen Denominationen), noch vor Katholiken (22 Prozent) und anderen protestantischen Kirchen (15 Prozent).

Einige Entscheidungen Trumps entsprechen ganz dem Willen seiner evangelikalen Wähler: An oberster Stelle sind es die Erschwerung der Abtreibung, die unbedingte Unterstützung Israels und die Ernennung von konservativen Richtern.

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Und was ist mit der Schöpfung?

Klimawandel und Artensterben zählen heute zu den drängendsten Problemen unserer Welt. Christen begreifen die Erde als Gottes Schöpfung. In der katholischen und der evangelischen Kirche hat der Schutz dieser Schöpfung eine Tradition, die bis in die 70er- und 80er-Jahre zurückreicht. Schwerer tun sich mit dem Umweltschutz allerdings Christen evangelikaler Prägung. Warum ist das so – und was bewegt sich? 

Was ist eigentlich unter „evangelikal“ zu verstehen – einer Gruppe, der sich ein großer und wachsender Teil der weltweiten Christenheit zurechnet? Grob gesagt sind es Christen, die eine persönliche Umkehr zu Gott erlebt haben und die Beziehung zu Jesus Christus betonen. Die Bibel ist für sie das Wort Gottes und Maßstab für ihr Leben: „Evangelikal“ kommt von „Evangelium“. Vor diesem Denkhintergrund mag es zunächst rätselhaft erscheinen, dass gerade sie mit dem Schutz der Schöpfung bis in die jüngere Zeit gefremdelt haben – und es auch noch tun. Das hat theologische, historische und soziologische Gründe.

Und gleichzeitig ist ganz viel Bewegung in dieser Gruppe Gläubiger, die in vielen Denominationen, Kirchen und Kulturen zu finden und doch so verschieden ist, dass sie kaum unter einen Begriff gebracht werden kann. Ein Teil rechnet sich auch zur evangelischen sowie zur katholischen Kirche.

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Abtreibung in den USA: Ex-Evangelikaler wettert gegen „seine“ Linken

Abtreibung in den USA: Ex-Evangelikaler wettert gegen „seine“ Linken
Früher evangelikal, heute links: US-Amerikaner Frank Schaeffer kritisiert beim Thema Abtreibung die Demokratische Partei scharf. Foto: Micah Danney

Trump tritt als erster amtierender Präsident auf einem „Marsch für das Leben“ auf und ergreift Partei für das ungeborene Leben – und für sich. Es ist Wahlkampf. Gleichzeitig erhalten die Abtreibungsgegner in den USA außergewöhnliche Unterstützung aus dem linken Lager. 

Evangelikale Christen in den USA erhalten zum Thema Abtreibung derzeit ungewöhnliche Schützenhilfe. Frank Schaeffer, prominenter Kritiker der evangelikalen Szene und Trump-Gegner, greift die eigenen Reihen öffentlich an. Die politische Linke habe das Thema gefährlich vereinfacht und in seiner Wirkung unterschätzt – und damit viele Wähler abgeschreckt. Das sagte Schaeffer jetzt dem US-amerikanischen Online-Magazin „Religion Unplugged“.

Vater Francis Schaeffer ist Ikone evangelikaler Christen

Frank Schaeffers Prominenz in den USA geht auf seinen Vater zurück, Francis A. Schaeffer. Der presbyterianische Theologe ist einer der bekanntesten modernen Apologeten. Schon zu Lebzeiten wurde er zu einer Ikone, für amerikanische, aber auch europäische Christen. Er starb 1984. Seine Kultur- und Gesellschaftsanalysen wie seine Kritik an den Abtreibungsgesetzen sind grundlegend für Weltsicht und Ethik wohl der meisten evangelikal geprägten Christen in den USA geworden.

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